Morgentauelfe

Der weiße Nebel verbirgt den Wald
Und auch die feuchten Wiesen.
Es ist noch kühl, doch die Wärme kommt bald.
Das ist empirisch bewiesen.

Ein kleines Wesen, zart und schön,
Wäscht sich mit einem Tautropf‘.
Den Sonnenstrahl nutzt es als Fön,
Dann bindet es sich einen Zopf.

Den Fön hat es nicht ausgemacht,
Drum wird es langsam warm.
Der Nebel flieht so gegen Acht,
Und mit ihm der Morgentauelfenschwarm.

[Peter Weigel, 28.09.2007]
[Diese Gedicht ist das erste von vieren und entstanden während meines zweiwöchigen Spätsommerurlaubs auf der Insel Rügen und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Auf vier Postkarten verteilt wurden diese dann an vier auserwählte Arbeitskolleginnen versendet, die sich (glaube ich) sehr über diesen ungewöhnlichen Urlaubsgruß gefreut haben.]

Rotschatten

Die Sonnenstrahlen werden schwächer,
Sie färben sich rot und verlieren an Kraft.
Mühevoll klettern sie über Häuserdächer,
Die meisten haben‘s schon nicht mehr geschafft.

Das Ende ist nah – ich kann es hören.
Mein Schatten wird stärker und raunt mir zu:
„Ich weiß, ich soll dich beim Wandern nicht stören,
Doch der Tag ist um – leg dich zur Ruh‘!“

Und so sag‘ ich Adé zu Meer und Küste,
Drehe mich um und laufe zurück.
Meinen Schatten im Nacken, wenn der nur wüsste –
Im Traum geh‘ ich weiter, ein großes Stück!

[Peter Weigel, 29.09.2007]
[Diese Gedicht ist das zweite von vieren und entstanden während meines zweiwöchigen Spätsommerurlaubs auf der Insel Rügen und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Auf vier Postkarten verteilt wurden diese dann an vier auserwählte Arbeitskolleginnen versendet, die sich (glaube ich) sehr über diesen ungewöhnlichen Urlaubsgruß gefreut haben.]

Sonnenvertreibung

Dunkelheit und Stille hüllen mich ein,
Der Mond hat die Sonne vertrieben.
Ach könnte doch jetzt heute Morgen sein,
Oder ließe sich das Tagsende verschieben.

Die Gesetze der Physik verhindern dies,
Doch bleibt mir noch das Traumland.
Der wundervolle Tag, den ich gehen ließ,
Kommt zurück – inklusive Sandstrand.

Hier kann ich lachen und fröhlich sein,
Ohne Schmerzen, Probleme und Sorgen.
Kein Schatten, der mich schränkt beim Wandern ein,
Und so laufe ich Richtung morgen.

[Peter Weigel, 29.09.2007]
[Diese Gedicht ist das dritte von vieren und entstanden während meines zweiwöchigen Spätsommerurlaubs auf der Insel Rügen und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Auf vier Postkarten verteilt wurden diese dann an vier auserwählte Arbeitskolleginnen versendet, die sich (glaube ich) sehr über diesen ungewöhnlichen Urlaubsgruß gefreut haben.]

Tagserwachen

Ich bin umhüllt von Dunkelheit.
Alles ist still.
Es ist gestern.

Plötzlich. Ein einsamer Lichtstrahl
Betritt mein Zimmer und flüstert wortlos:
„Guten Morgen!“

Dann ein weiterer Lichtstrahl
Und ein Dritter und ein Vierter.
Es wird hell.

„Piep. Piep. Piep.“, macht mein Wecker.
Ich öffne die Augen.
Es ist heute.

[Peter Weigel, 28.09.2007]
[Diese Gedicht ist das vierte von vieren und entstanden während meines zweiwöchigen Spätsommerurlaubs auf der Insel Rügen und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Auf vier Postkarten verteilt wurden diese dann an vier auserwählte Arbeitskolleginnen versendet, die sich (glaube ich) sehr über diesen ungewöhnlichen Urlaubsgruß gefreut haben.]

Ja!

Der Himmel ist grau und voller Wolken.
Es ist auch dunkler als es gestern war.
Ein Bauer hat seine Kuh gemolken.
Jemand kauft die Milch und bezahlt in bar.

Es fällt ein feiner Nieselregen
Auf mich herab – es ist nass und kalt.
Ich geh‘ auf stark bepfützten Wegen,
Vorbei an Bäumen kahl und alt.

Dort drüben steht ein altes Gasthaus,
Da wird gesungen, getanzt, gelacht.
Der Wirt macht sicher bald das Licht aus,
Die Gäste gehen – kommen wieder, nächste Nacht.

Ich aber wandle schon seit Stunden
Durch diese lebensfeindliche Welt.
Hab‘ das Tageslicht noch nicht gefunden,
Nur einen Hund, der grundlos bellt.

Und dann auf einmal geschieht ein Wunder:
Der Regen hört auf, der Nebel flieht.
Ein Sonnenstrahl klettert zu mir herunter.
Und singt dabei. Ein Stimmungslied?!

Nun also bricht an ein neuer Morgen,
Und ich breche ab ein kleines Stück.
Ein kleines Stück Sonne werd‘ ich mir borgen,
Geb‘ die geborgte Dunkelheit zurück.

Und vor mir schwebt ein Regenbogen.
War eben doch noch gar nicht da!?
„Ach ist das schön!“, denk‘ ich ungelogen.
Der Tag kann kommen. Ich sag‘ zum Leben ja!

[Peter Weigel, 04.11.2007]
[Dieses Gedicht, habe ich aus einer geringfügig depressiven Stimmung heraus geschrieben. Irgendwie hat es sich dann verselbständigt, indem über mehrere Tage hinweg immer wieder Strophen eingefügt oder verschoben wurden. Das Ergebnis ist ein siebenstrophiges Gedicht, das den Weg aus der Depression heraus gefunden hat und eindeutig als lebensbejahend eingestuft werden kann. Ich hoffe Selma Meerbaum-Eisinger hätte, würde sie noch unter uns weilen, nichts dagegen einzuwenden, dass ich sowohl den Titel „Ja!“, als auch das Motiv des „grundlos bellenden Hundes“ aus zwei ihrer vielen wunderschönen Gedichte übernommen habe.]

Der erste Schnee

Kalt ist es draußen, eisig kalt,
Sowohl in der Stadt, als auch im Wald.
Die Tiere frieren, die Menschen auch.
Schuld ist der kühle Winterhauch.

Der Himmel ist blau, die Luft ist klar,
Vorbei zieht eine Kranichschar.
Wer fliegen kann, der flieht gen Süden,
Bevor die Winterstürme wüten.

Die Sonne wirkt müde und ziemlich schwach,
Sie ist auch weniger Stunden wach.
Ist sie vielleicht krank? Könnte doch sein!?
Das erklärt den kraftlosen Sonnenschein.

Photosynthese ist da ineffektiv,
Das merken die Blätter ganz instinktiv.
Sie färben sich gelb, braun oder rot,
Fallen ab und sind dann tot.

Auch tot erfüllen sie einen Zweck,
Dienen dem Igel als Versteck.
Es versteckt sich auch die Winterfee,
Wartet geduldig – auf den ersten Schnee.

Der erste Schnee fiel über Nacht.
Er fiel vom Himmel, leis‘ und sacht…

[Peter Weigel, 24.11.2007]
[Ein sehr schöner kalt-sonniger Herbsttag hat mich zu diesem Gedicht inspiriert. Es soll zum einen zeigen, dass auch der Herbst sehr schöne Tage haben kann. Zum anderen soll es aber auch klar machen, dass es sich bei dem Herbst nur um die kurze Übergangsphase vom warmen Spätsommer zum schneereichen Frühwinter handelt.]

Betreff: Schneeflöckchen Weißröckchen. Ort: Da wo viel Schnee liegt.

Die Woche fängt ja richtig gut an,
Denn wir bauen halb elf den weltschönsten Schneemann.

Auch an das Danach hab‘ ich gedacht,
Denn das wird sein eine Schneeballschlacht.

Und glaubt bloß nicht, ihr könntet euch davor drücken.
Denn dann werde ich eure Gesichter mit Schnee bestücken.
(Soll heißen, ihr werdet eingeseift!)

Drum sagt jetzt alle schön fleißig zu.
Und Dana! Es geht auch ohne Handschuh‘!

[Peter Weigel, 27.02.2006]
[Dieses Gedicht war eine Einladung für einen „wichtigen geschäftlichen Termin“ an einige meiner Arbeitskolleginnen und -kollegen. Aber irgendwie kam der Termin dann leider nicht zustande…vielleicht lag es am Schnee…oder doch am Gedicht?!]

Dein Geburtstag

Liebste Mutti heut‘ ist dein Tag.
Und weil ich dich ja so sehr mag,
Wünsch‘ ich dir Gesundheit und viel Freude.
Immer! Aber besonders heute!

[Peter Weigel, 19.02.2010]
[Ein Gedicht, das anderen Freude schenkt, muss nicht immer lang sein. Dieses Gedicht war ein Geschenk an meine liebe Mutti zu Ihrem Geburtstag.]

Entlein

Zwei Enten mit Kindern sind jetzt auf dem Teich.
Sie schnattern ganz leise, dass niemand es weiß.
Sie schwimmen im Wasser, viel besser als du
Und ich bin ganz leise und guck ihnen zu.

Sie schwimmen nach Hause, ich seh’s ganz genau.
Vorn schwimmt der Vater und hinten die Frau.
Nun liegen Sie alle in ihrem Nest
Und schlafen bis morgen früh ganz fest.

[Peter Weigel, 1988-90]
[Dieses Gedicht stammt aus meiner Kinderzeit. Wann es genau entstanden ist, lässt sich leider nicht mehr exakt rekonstruieren.]

Winter adé, Wolken im Schnee

Winter adé, Wolken im Schnee.
Wolken als Schäfelein, Wolken sind wirklich fein.
Winter adé, Wolken im Schnee.

Winter adé, Wolken im Schnee.
Wolken als Röselein, rot wie das Jäckelein.
Winter adé, Wolken im Schnee.

Winter adé, Wolken im Schnee.
Wolken im Himmelein, Wolken sind manchmal klein.
Wolken adé, tut gar nicht weh.

[Susanne Weigel + Peter Weigel, 1988-90]
[Dieses Gedicht stammt aus meiner Kinderzeit. Wann es genau entstanden ist, lässt sich leider nicht mehr exakt rekonstruieren.]